12. Januar 2004

Massensterben am Ende des Ordovizium durch eine Sternexplosion?

Ein amerikanisches Astronomen-Team um Adrian Melott von der University of Kansas stellte auf der Tagung der American Astronomical Society in Atlanta eine neue Theorie zum zweitgrößten Massenaussterben der Erdgeschichte vor 440 Millionen Jahren vor, bei dem rund zwei Drittel aller Lebensformen plötzlich von der Erde verschwanden.

Massensterben durch Supernova?

Ihre Theorie leitet das Team aus den Ergebnissen einer Untersuchung von rund 443 Millionen Jahre alten Trilobitenfossilien ab.

Demnach könnte infolge einer Supernova ein Gammablitz, der mehr Energie abstrahlte als unsere Sonne während ihrer gesamten Lebensdauer von zehn Milliarden Jahren, die Ozonschicht der Erde zerstört und die Erde in eine braune Smogwolke gehüllt haben.

Die bislang favorisierte Theorie einer Eiszeit als Grund für das Massenaussterben hatte stets eine Schwachstelle: Da auf der Erde kurz zuvor ein ungewöhnlich warmes Klima herrschte, konnte bisher nicht erklärt werden, wieso plötzlich riesige Gletscher auftraten.

Die neue Theorie von Melotts Team aber liefert eine schlüssige Erklärung für diesen plötzlichen Klimaumschwung und erklärt darüberhinaus, warum in erster Linie die an Land und die nah an der Oberfläche des Meeres lebenden Lebewesen von dem Massensterben betroffen waren, während die in den tieferen Regionen des Meeres lebenden Kreaturen nur teilweise in Mitleidenschaft gezogen wurden: Durch die Zerstörung der Ozonschicht konnte die ultraviolette Strahlung der Sonne ungefiltert mit dem 50-fachen des Normalwertes bis zur Erdoberfläche vordringen und tötete dort den Großteil aller Lebewesen. Der Smog bewirkte zudem, dass sich die Erde drastisch abkühlte und eine 500.000 Jahre andauernde Eiszeit anbrach.

Einen Haken hat diese Theorie jedoch auch: Normalerweise kann man Supernovae noch Millionen von Jahren später anhand von Staubwolken, Schockwellen und schwarzen Löchern nachweisen, doch von der vor 440 Millionen Jahren stattgefundenen Sternexplosion scheint nichts mehr vorhanden zu sein. Allerdings, so argumentiert Melott, habe sich die Milchstraße in dieser langen Zeit zweimal um sich selbst gedreht, so dass die Überbleibsel dieser Supernova längst verschwunden sein könnten.

Auch andere Forscher erklärten diese Theorie für durchaus plausibel: Jere Lipps, Paläobiologe an der University of California in Berkeley, hält eine Überprüfung der Hypothese für durchaus lohnenswert. Schließlich sei auch die Theorie des Asteroiden-Einschlags zum Ende der Kreidezeit, infolge dessen die Dinosaurier und viele andere Lebewesen ausstarben, zunächst mit Skepsis aufgenommen und später durch viele Indizien bekräftig worden.


weitere Informationen unter:

  • Spiegel Online:
    Supernova brachte den Massentod
  • Bild der Wissenschaft:
    Verursachte ein kollabierender Stern das Trilobitensterben?



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    2004 Dinosaurier-Interesse