23. Oktober 2005

Streit um Ursache des Dinosterbens weiterhin voll im Gang


Seit in den 70er Jahren weltweit eine große Menge Iridium in den Erdschichten gefunden wurden, die sich zum Zeitpunkt des weltweiten Massensterbens vor rund 65 Millionen Jahren abgelagert haben, gibt es die Theorie, dass ein Himmelskörper, der auf die Erde schlug, Schuld am Aussterben der Dinosaurier und rund dreiviertel der damaligen Lebewesen sei.

Was war die Ursache des Dinosaurier-Sterbens: Asteroideneinschlag oder Vulkanausbruch?

In den 90er Jahren fand man einen entsprechenden Krater nahe der Maya-Siedlung Chicxulub auf der Yucatan-Halbinsel im Golf von Mexiko, der auf den Einschlag eines rund 10 Kilometer großen Asteroiden hindeutete.

Aber nicht alle Forscher glaubten an die Impact-Theorie und so wurde im Jahr 2001 unter Leitung des Geoforschungszentrum Potsdam eine Bohrung im Chicxulub-Krater vorgenommen, um möglicherweise Klarheit in die Ursache des Massensterbens zu bringen. Ein Bohrkern wurde gewonnen, der die Ablagerungen aus den letzten 150 Millionen Jahren zeigte. Seither hat sich der Streit zwischen den Impact-Theoretikern und den Impact-Gegnern drastisch verschärft.

Der Grund für diesen Streit ist die Auslegung der analysierten Daten: Während die einen im Bereich über dem so genannten Impact-Gestein die Ablagerungen einer Monsterwelle erkennen, die nach dem Einschlag in den Krater schwappte, sehen die anderen darin regelmäßige Ablagerungen. Außerdem wollen sie in diesen Ablagerungen Spuren winziger Einzeller gefunden haben, die aber zusammen mit den Dinosauriern ausgestorben sind. Die Folgerung aus den Einzellerspuren lautet daher: Der Enschlag fand bereits 300.000 Jahren vor dem Massensterben statt und kann somit nicht direkt mit diesem in Verbindung stehen. Die Impact-Theoretiker widersprechen diesen Befunden und erklären, die vermeintlichen Einzellerspuren seien in Wirklichkeit Dolomitenkristalle.

So wie der Abschnitt oberhalb des Impact-Gesteins die Gemüter erhitzt, so streiten sich die Fraktionen auch um die Deutung der unter dem Impact-Gestein liegenden Ablagerungen: Die Impact-Theoretiker sehen hier ein vom Asteroideneinschlag zermalmtes Gestein, die Impact-Gegner erkennen hier normale Ablagerungen, die keineswegs auf einen Einschlag hindeuten. Falls hier tatsächlich kein zerrüttetes Gestein liegen sollte, müsste der Asteroid wesentlich kleiner gewesen sein, als gemeinhin angenommen.

Nachdem auf Kuba rund 1000 Kilometer vom Chicxulub-Krater entfernt jetzt weitere Indizien für einen Asteroideneinschlag vor 65 Millionen Jahren gefunden wurden, sollte man meinen, dass der Streit nun endgültig geklärt wäre. Aber weit gefehlt. Die Impact-Gegner räumen zwar ein, dass tatsächlich Meteoritenspuren gefunden wurden, doch sei der Zeitpunkt der Ablagerung nicht klar und somit könnten die gefundenen Indizien nicht als Argumetation für einen Asteroideneinschlag als Massensterben-Ursache angesehen werden.

Neue Bohrungen am Chicxulub-Krater sollen demnächst durchgeführt werden in der Hoffnung, endlich Klärung über die Ursache des Dinosauriersterbens zu erhalten. Im Keller des Geologischen Museums der Universität Mexiko (UNAM) liegen aber heute schon acht weitere Bohrkerne. Derjenige Bohrkern allerdings, der einen Meter gut datierbares Sediment unmittelbar oberhalb des Impact-Gesteins enthielt und der vielleicht hätte klären können, wann genau der Asteroid eingeschlagen ist − dieser Bohrkern ist verschwunden.



weitere Informationen unter:

  • Welt am Sonntag:
    Einschlag aus dem Weltall?



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    2005 Dinosaurier-Interesse