15. März 2006

Juravenator: Coelurosaurier aus Süddeutschland besaß keine Federn


Bereits 1998 wurden von den Brüdern Hans und Klaus Dieter Weiss im Steinbruch der Familie Stark bei Schamhaupten im Altmühltal die Überreste eines kleinen Raubsauriers aus dem späten Jura gefunden, der zur Familie der Coelurosaurier gezählt wird.

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Juravenator


Nach der Präparation durch Pino Völkl vom Jura-Museum in Eichstätt und der wissenschaftlichen Aufarbeitung durch Dr. Ursula Göhlich vom Department für Geo- und Umweltwissenschaften der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München und Luis M. Chiappe vom Natural History Museum of Los Angeles erhielt er den wissenschaftlichen Namen Juravenator starki (Starks Juraräuber).

Juravenator lebte vor etwa 151 Millionen Jahren und zeigt große Ähnlichkeit im Körperbau mit dem Urvogel Archaeopteryx oder dem ihm nah verwandten Compsognathus. Er war etwa 75 bis 80 Zentimeter lang, besaß einen langen Schwanz und kräftige Hinterbeine und hatte an seinen eher schwächlichen Armen Hände mit je drei unterschiedlich langen Fingern mit langen Krallen. Der für seine Körperverhältnisse reltiv große Kopf deutet darauf hin, dass es sich bei diesem Exemplar um ein Jungtier handelt, das vielleicht einige Wochen oder wenige Monate alt war.

Das gefundene Skelett ist fast vollständig und sehr gut erhalten. Neben den versteinerten Knochen wurde auch ein Hautabdruck am Schwanz entdeckt. Für die Forscher überraschend war die Erkenntnis, dass Juravenator − anders als viele seiner engeren Verwandten − scheinbar keine Federn sondern eine glatte Haut besaß. Dafür gibt es mehrere Erklärungsversuche:

Möglicherweise hatten bei dieser Dinosaurierart die Jungtiere noch kein Federkleid, sondern bildeten dieses erst im Erwachsenenalter aus. Falls dem so war, könnte es sich bei dem gefundenen Jungtier um einen Nesthocker handeln. Allerdings gingen die Forscher bisher davon aus, dass die Nesthocker erst später in der Erdgeschichte auftraten. Sämtliche Jungtierfunde aus der Jura- und Kreidezeit sprachen bislang ausschließlich für Nestflüchter.

Möglich wäre aber auch, dass Juravenator seine Federn immer zu einer bestimmten Jahreszeit verlor oder dass sich die Federn im Verlauf der Evolution zum Juravenator zurückbildeten.

Die einfachste Erklärung wäre, dass sich die Federn einfach nicht fossil erhalten haben. Da das Skelett aber ansonsten in einem sehr guten Zustand ist und sogar Versteinerungen von einige Weichteilen aufweist, hält Göhlich diese Möglichkeit für wenig wahrscheinlich.



weitere Informationen unter:

  • dinosaurier.org:
    Altmühltal: Neuer Raubsaurier indentifiziert
  • rp-online:
    Dinosaurierfossil gibt Forschern Rätsel auf
  • uni-protokolle:
    Zuwachs für den Jurassic Park



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    2006 Dinosaurier-Interesse