28. April 2010

Warum konnten Flugsaurier fliegen?




Flugsaurier besaßen ein leichtes Skelett, dass ihnen auch aktive Flugmanöver ermöglichte.
Jahrmillionen beherrschten die Flugsaurier als erste Wirbeltiergruppe den Luftraum. Lange Zeit war wenig über sie bekannt, da es nur spärliche Funde gab. Inzwischen haben Forscher jedoch viele Informationen über diese Sauriergruppe zusammentragen können.

Anders als Vögel waren Pterosaurier nicht von Federn bedeckt, sondern besaßen eine Flughaut, die sich über den stark verlängerten vierten Finger und den Arm bis zu den Schultern spannte.

Darüberhinaus hatten sie den sogenannten Pteroid-Knochen, der am Handgelenk ansetzte und vermutlich in Richtung Schulter führte − eine zusätzliche Stütze der Flughaut.

Früher glaubten die Wissenschaftler, dass insbesondere die großen Flugsaurier zu einem aktiven Flug nicht fähig waren und daher nur segelten. Doch neuere Forschungen haben gezeigt, dass die Flugsaurier bestimmte Anpassungsmerkmale aufwiesen, die ihnen durchaus erlaubten, auch aktive Flugmanöver durchzuführen: So besaßen sie wie die heutigen Vögel ein keilförmiges Brustbein für die Flugmuskeln, kurze starke Oberarmknochen, ein leichtes Knochenskelett und ein effizientes Atmungssystem. Zudem waren sie wahrscheinlich warmblütig, worauf Funde mit haarähnlichen Strukturen auf der Haut mancher Pterosaurier hinweisen.

Leon Claessens vom College of the Holy Chross in Worcester (Großbritannien) erklärt, dass die Flugsaurier Luftsäcke besaßen, die mit der Lunge verbunden waren und die bis in die Knochen hineinragten, was zu einem relativ geringen Skelett-Gewicht führte und eine effiziente Atmung ermöglichte, da Luft die Lunge zweimal durchströmte: einmal auf dem Weg hin zu den Luftsäcken und ein zweites Mal auf dem Weg zurück, so dass zweimal Sauerstoff entnommen werden konnte.

Micheal Habib von der John Hopkins University School of Medicine in Baltimore (USA) fand bei den Flugsauriern starke Vordergliedmaße, die leicht geknickt waren, und die sowohl beim Laufen (auf Fingerknöcheln) als auch beim Abheben eingesetzt werden konnten. Somit hätten die Pterosaurier trotz ihrer teilweise enormen Größe ihren Flug auch vom Boden aus starten können.

Mark Witton und Darren Naish von der Universität von Portsmouth (Großbritannien) folgern aus der Anatomie der großen Flugsaurier, die zur Gruppe der Azhdarchidae gehörten, dass sie mit ihren langen Beinen ähnlich wie die heutigen Störche durch dichte Vegetation geschritten sind und mit ihren langen, zahnlosen Schnäbeln kleine wirbellose Tier und Wirbeltiere bis zur Größe eines heutigen Fuchses packten. Wie die Störche hätten auch die Azhdarchidae lange Hälse gehabt, mit denen sie von oben ihre Opfer erspähen konnten. Weniger wahrscheinlich sei dagegen, dass sie im Wasser auf Beutezug gegangen seien oder einen Angriff aus der Luft gestartet hätten, da ihre Füße eine zu geringe Größe und keine starken Krallen besessen haben, mit denen sie ihre Beute hätten packen können.

Warum die Flugsaurier nach mehr als 150 Millionen Jahren Luftherrschaft am Ende der Kreidezeit ausstarben, ist jedoch noch weitgehend ungeklärt. Manche Forscher machen die Entwicklung und Ausbreitung der Vögel dafür verantwortlich. Richard Butler vom Natural History Museum in London (Großbritannien) ist jedoch der Meinung, dass die Fossilfunde gegen eine solche These sprechen, denn dann hätte die Artenvielfalt unter den Pterosauriern mit dem Auftreten der Vögel langsam abnehmen müssen, was nicht der Fall war. Daher vermutet Butler, dass die Gründe für das Aussterben der Flugsaurier die gleichen waren, wie die für das Aussterben der Dinosaurier.



weitere Informationen unter:

  • NZZ Online:
    Fliegende Warmblüter aus dem Jura



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    2010 Dinosaurier-Interesse