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Archaeopteryx

"alter Flügel"



Systematik:
Saurischia
Theropoda
Neotheropoda
Coelurosauria
Maniraptora
Paravis
Archaeopterygidae
Zeit:
Oberjura
(Kimmeridge, Tithon)
vor 151 bis 145 Mio. Jahren
Verbreitung:

Europa:

Deutschland



Archaeopteryx


Der Archaeopteryx war etwa 60 Zentimeter lang und wog vermutlich zwischen 300 und 500 Gramm. Die ersten Überreste wurden 1861 in Solnhofen (Deutschland) gefunden und von Hermann von Meyer beschrieben. Dabei fielen die gut sichtbaren Abdrücke der Federn im Gestein auf, die sich neben den feinen Knochen erhalten hatten. 1868 interpretierte Thomas Huxley das Fossil als Vogel mit reptilischen Merkmalen. Nach wie vor wird es als "Bindeglied zwischen Dinosauriern und Vögeln" gefeiert, obwohl inzwischen viele andere Urvogel- und Feder-Dinosaurier-Fossilien (insbesondere in China) gefunden wurden.

In den letzten Jahren mehren sich die Zweifel, ob es sich bei Archaeopteryx tatsächlich um einen Vogel handelt. Zum einen erinnert die Knochenstruktur und die Entwicklungsgeschwindigkeit eher an einen Dinosaurier als an einen Vogel (vgl. Nachricht vom Okt. 2009), zum anderen wurde ein naher Verwandter von Archaeopteryx, Xiaotingia zheng, in die allgemeinere Gruppe der Paravis eingeordnet, die neben den Vögeln auch die Deinonychosauria enthält.(vgl. Nachricht vom Juli. 2011)

Schon länger ist allerdings bekannt, dass Archaeopteryx nicht in direkter entwicklungsgeschichlicher Linie zu den heutigen Vögeln steht, sondern einer Schwesternlinie angehörte.

Da der ca. zwei Zentimeter große Kopf des Archaeopteryx relativ große Augen und ein Maul mit spitzen Zähnen hatte, vermuten die Forscher, dass der vermeintliche "Urvogel" auf kleine Insekten Jagd machte.

Wider Erwarten wurde bei verschiedenen Studien festgestellt, dass Archaeopteryx wahrscheinlich verhältnismäßig gut riechen konnte (vgl. Nachricht vom Okt. 2008), während sein Hörvermögen eher mager ausgeprägt war. Letzteres lässt vermuten, dass Archaeopteryx wahrscheinlich Einzelgänger war und nicht in Gruppen zusammenlebte, was eine Verständigung untereinander voraussetzen würde. (vgl. Nachricht vom Jan. 2009)

Mit seinem langen knöchernen Schwanz, der an beiden Seiten von längeren Federn besetzt war, und den langen, schlanken Beinen, bei denen die langen Unterschenkelknochen aufällig waren, war er wahrscheinlich recht wendig und konnte schnell rennen.

Im Jahr 2004 fanden zwei dänische Forscher auch an den Beinen des Archaeopteryx Federn, die ihrer Meinung nach jedoch zur Flugunterstützung zu kurz gewesen wären. Es hätte sich bei diesen Federn um so genannte "Konturfedern" gehandelt, die das äußere Erscheinungsbild des Vogels mitgeformt hätten. (vgl. Nachricht vom Mai 2004)

Zwei Jahre später griff ein kanadischer Forscher diese Idee auf, äußerte jedoch die Vermutung, dass die Federn an den Beinen durchaus eine Art "Nebenflügel" hätten bilden können, zumal die Federn eine aerodynamische Struktur aufwiesen. Da diese "Nebenflügel" jedoch beim Flugstart vom Boden aus eher hinderlich gewesen wären, sei ein Herabgleiten von erhöhten Standorten aus, eher wahrscheinlich. (vgl. Nachricht vom Sept. 2006)



Archaeopteryx-Skelett

An den Händen von Archaeopteryx befanden sich drei bekrallte Finger, die frei unter der Flügelkante hervorlugten.

Im Unterschied zu ähnlich großen Dinosauriern aus der Gruppe der Coelurosauria besaß Archaeopteryx ein Gabelbein, das aus der Verschmelzung zweier Schlüsselbeine hervorgegangen war und das ihn eigentlich in die Gruppe der Avialae (Vögel und unmittelbare Verwandte) einordnen würde.


Ob Archaeopteryx in offenem Waldland auf Bäumen lebte, wie ursprünglich vermutet, muss seit einer Studie aus dem Jahr 2005 in Frage gestellt werden. Lange Zeit nahm man an, dass der vermeintliche "Urvogel" bei der Suche nach Insekten mithilfe seiner bekrallten Hände und Füße auf Bäume kletterte, und dann, unterstützt durch das Federkleid, von einem Baum zum anderen glitt. Landete er dabei auf dem Boden, kletterte er den nächsten Baum anschließend wieder hinauf. Da man davon ausging, dass Archaeopteryx vogeltypische Füße besaß, mit drei, nach vorne zeigenden Zehen und einer Daumenzehe, die nach hinten wies, hätte er die Äste wie die modernen Vögel gut umgreifen können.


Bei einer genauen Untersuchung des 2003 gefundenen zehnten Fossils von Archaeopteryx im Jahr 2005 konnte aber nachgewiesen werden, dass der vermeintliche "Urvogel" seinen ersten Zeh nicht vollständig nach hinten drehen konnte, sondern ihn nur seitlich abspreizte. Zudem konnte er seinen zweiten Zeh, an dem wie bei andere Dromaeosauriern eine größere Kralle saß, überdimensional weit nach oben biegen. Das unterstützt die oben genannte These, dass Archaeopteryx den Dinosauriern näher stand als den modernen Vögeln. (vgl. Nachricht vom Dez. 2005)

Die Federn des Archaeopteryx entsprachen allerdings den Federn moderner Vögel, ebenso der Aufbau der Flügel. Zudem war Archaeopteryx, wie die heutigen Vögel, wahrscheinlich ebenfalls warmblütig.


Archaeopteryx

Untersuchungen an einer einzelnen Schwungfeder von Archaeopteryx im Jahr 2011 zeigten, dass zumindest diese Feder eine schwarze Färbung aufwies. Da noch keine weiteren Federn untersucht werden konnten, kann keine allgemein gültige Aussage zum farblichen Aussehen des Archaeopteryx getroffen werden. Das Melanin, das diese schwarze Färbung hervorruft, hatte wahrscheinlich darüber hinaus auch eine stabilisierende Wirkung auf die Feder, das heißt, es machte sie härter und widerstandsfähiger. Inwieweit diese Federneigenschaft Einfluss auf das Flugvermögen des Archaeopteryx hatte, werden zukünftige Erkenntnisse zeigen müssen. (vgl. Nachricht vom Nov. 2011)

Bei einem Computerscanning des Kopfes von Archaeopteryx im Jahr 2004 wurde darüber hinaus festgestellt, dass sich die Hirnstruktur des vermeintlichen "Urvogels" nur unwesentlich von den der heutiger Vögel unterschied. Zwar war das Gehirn etwas kleiner als das heutiger Vögel, übertraf aber an Größe eindeutig das von Reptilien. Die Aufteilung der Hirnregionen lässt vermuten, dass Archaeopteryx einen ausgeprochen guten Gleichgewichtssinn hatte und möglicherweise komplexe Flugmanöver ausführen konnte, was wiederum für eine größere Verwandtschaftsnähe zu den Vögeln sprechen könnte. (vgl. Nachricht vom August 2004)

Im Jahr 2010 zweifelten zwei Forscher jedoch die vermeintlichen Flugfähigkeiten des Archaeopteryx wieder an, weil der Schaft der so genannten Primärfedern eigentlich zu dünn war und bei einem aktiven Flug hätte brechen müssen. Daher vermuteten sie, dass der vermeintliche "Urvogel" lediglich gleiten konnte. (vgl. Nachricht vom Mai 2010)

Da in einer Studie aus dem Jahr 2006 jedoch kein Hinweis darauf gefunden wurde, dass Archaeopteryx das so genannte "acrocoracohumeralen Ligament" (eine kurze Sehne, die sich vom Oberarmknochen zum Schultergelenk spannt und die bei modernen Vögeln das Fliegen unterstütz) besaß, wird Archaeopteryx andere Strategien für die Stabilisierung seines Gleitflug entwickelt haben als moderne Vögel. (vgl. Nachricht vom Dez. 2006)

Vom Archaeopteryx sind bisher elf Fossilien bekannt, das letzte tauchte im Oktober 2011 in einer Privatsammlung auf (vgl. Nachricht vom Okt. 2011). Insbesondere das 2003 gefundene zehnte Fossil begeistert die Forscher durch Restpartikel echter Federn, die ursprünglich für normale Abdrücke gehalten wurde. (vgl. Nachricht vom Mai 2010)


(Letzte Aktualisierung:
Januar 2012)





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Literatur zum Thema:
  • Cox (u.a.): Dinosaurier und andere Tiere der Vorzeit
  • Parker: Dinosaurier
  • Richardson: Dinosaurier und andere Tiere der Urzeit


  • Englischsprachige Websites:
    DinoData




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